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Heimatgeschichte im Wasserturm 

PAZ-Bericht vom 2.6.2005

Historisch wertvolle Dokumente aus der Dormann-Schenkung erstmals in der Öffentlichkeit

Glanzstücke der Heimatgeschichte, zuvor öffentlich noch nie gezeigt, werden beim Schwicheldter Dorffest morgen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Historisch wertvolle Urkunden, Anordnungen und Beschwerdeschreiben von 1633 bis 1908, allesamt Schwicheldt betreffend, sind im sonst verschlossenen Wasserturm von 18 bis 20 Uhr zu sehen.
Von Manfred Reichel

Peine-Schwicheldt. Initiatoren dieser Ausstellung sind der Heimatpfleger Olaf Mollus und Holger Behrens. Gezeigt werden Originale und deren „Übersetzungen“ ins Hochdeutsche. Sie stammen aus der Schenkung Gisela Dormanns und bereichern das Schwicheldter Heimatarchiv. Im Februar 2005 erhielt Mollus einen Riesenberg amtlicher Dokumente mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass diese in Schwicheldt aufbewahrt werden müssen. „Wir haben bisher knapp 50 Prozent dieses umfangreichen Bestandes gesichtet, aber längst noch nicht alles von der Sütterlinschrift in die lateinische Schrift übertragen, zumal teilweise die Texte schwer zu lesen sind“, sagte Mollus.
Als Übersetzer hat er Reinhard Wiekenberg aus Eddesse gewonnen. Der versieht mit aufklärenden Fußnoten das Geschriebene, so dass der Leser den Inhalt besser versteht. Das gilt insbesondere für eine Reihe von Begriffen wie beispielsweise obgemelter (oben genannter), sothoenen (so dann) oder dasig (dortig).
Eine Rarität ist die Beurkundung (1633) über eine Leihgeld-Angelegenheit nebst Zinsen. Zwei bis drei Kloster-Dokumente dürften sogar älter sein. Die endgültige Datierung, wahrscheinlich um 1614, steht noch aus.
Nicht alles haben die Schwicheldter von der Obrigkeit geschluckt. Im Einspruch der Gemeinde (1825) gegen Spann- und Handdienst auf den Straßen von Hildesheim nach Peine an das königliche Ministerium des Inneren in Hannover, wird auf die neuen Belastungen hingewiesen. „Fütterung und Zehrung erforderten bedeutende Aufwendung“. Die Pferde müssten nach dem Einsatz beim Straßenbau am nächsten Tag pausieren. Interessant ist das „Regulierte Feuerlöschungs-Personal“ für die acht Abteilungen der Schwicheldter Feuerwehr aus dem Jahre 1830. Aufgelistet sind Namen und Funktionen der Wehrmänner: Spritzenleute sowie die jeweiligen Anführer der Wasserreicher, Handwerker, Retter und Wächter. Vielleicht wird der eine oder andere Besucher der Ausstellung im Wasserturm den Namen von Familienangehörigen oder Verwandten entdecken.
Seltenheitswert dürfte im Stadtgebiet eine Verordnung von Napoleon (1824) haben. Im Erlass des Königreichs Westfalen an die Gemeinde Schwicheldt im Oker-Departement geht es um die Ablösung von Schulden und Hypotheken.
Die „Aufforderung an edle Menschen“ im Mai 1842, als die Pest in Hamburg wütete und über 50 000 Menschen „jetzt hülflos ohne Obdach dem Hunger und der Verzweiflung preisgegeben seyn“, verhallte nicht ungehört. Gesammelt wurden am 1. Pfingsttag Rokken, Weitzen, Erbsen, Linsen. Gespendet wurde im Wert von 3336 Reichsthalern.
Zwei Bücher mit ansprechenden Einbänden haben es Mollus besonders angetan. Die schwer verständliche Darstellung der „allgemeinen Landesbeschwerde seitens des Bauernstandes des Hochtstiftes Hildesheim“, unter ihnen auch Peine, dreht sich um allgemeine Steuern und Abgaben. In der Abhandlung „Einführung der Consumtions- und Eingangssteuer“ im Jahre 1817 des Prinzregenten Georg im Namen seiner englischen Majestät Georg des Dritten, König von Hannover und Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, werden detailliert die Steuern auf alles Alkoholische aufgelistet, aber auch Mahl-, Schlacht- und Salzsteuer, nicht zuletzt der Zoll auf ausländische Gegenstände.

Heimatpfleger Olaf Mollus sichtet das Archivmaterial, um historisch wertvolle Dokumente aus Schwicheldt öffentlich zu präsentieren. cb

Heimatpfleger Olaf Mollus

 

 

 


 
 
 
   

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